Mittwoch, 20. Februar 2013

Wunder gescheh'n


Als meine Mutter und ich vor gut einem Jahr in einem Bericht über Hafnerkeramik von den Perger Wunderblumen lasen, war es um uns beide geschehen.


Schon am nächsten Tag wurden wir im Perger Heimathaus vorstellig. Auf die Wunderblumen angesprochen, drückte uns ein sehr gebildet wirkender Herr mit grauem Haar eine kleine Broschüre in die Hand, deren Text mit folgenden Worten begann:
„Einige Tage, nachdem ungefähr Mitte August 1979 beim Wirtshaus-Stammtisch die Bemerkung fiel, dass beim Ausheben einer Baugrube in der Naarntalstraße alte Scherben gefunden worden seien, erfuhr auch der ehemalige Kustos des Heimathauses, Rudolf Zach, davon.“
Könnte so nicht ein spannender historischer Roman beginnen, eine bewegende Geschichte aus längst vergangenen Tagen, mit allerhand Verwicklungen, Tragödien, Liebeswirren, vielleicht sogar Mord?


Die Ernüchterung traf uns unmittelbar, hart und ein klein wenig schmerzhaft. Denn obwohl wir uns so fühlten, waren wir keinem revolutionären Geheimnis (mehr) auf der Spur, ganz im Gegenteil: Im Heimathaus wurden all unsere Fragen beantwortet.

Das Untere Mühlviertel, und mit ihm die Stadt Perg, hatte einst durch die für die Keramikherstellung geeigneten Tonvorkommen eine reiche und kunstvolle Hafnertradition. Besonders bemerkenswert sind die in Sammlerkreisen als „Zwiebelschüsseln“ bekannten Schüsseln und Teller, die mit großflächigen und auffälligen Fantasieblüten, Tulpen oder Granatäpfeln, Knospen, Blättern und Ranken verziert wurden. Farblich dominieren Rostrot, Schwarzbraun und verschiedene Grüntöne auf hellem Untergrund. Einfach wunderschön.


Aber auch schade, irgendwie. Naja, von außen betrachtet: Ganz so begnadete Detektive wären wir wahrscheinlich eh nicht, meine Mama und ich. Viel wichtiger ist, dass ich nun meine ganz eigene Wunderblumen-Schüssel in Händen halten darf. Ich habe sie bei der besten mir bekannten Keramikmalerin in Auftrag gegeben: meiner Mama.

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