Dienstag, 26. Februar 2013

Wen wundert's?

Meine Pferde kommen nicht in die Wurscht.

Das ist mir so völlig unbegreiflich, aber doch immer noch ziemlich normal: Wenn ein Pferd krank ist oder alt oder nicht mehr zu gebrauchen, dann wird der Schinder angerufen. Man sieht zu, wie das Tier, das einen bereitwillig durchs Leben getragen hat, fort gebracht wird. Wiehernd, immer. Verantwortung hört offenbar in dem Moment auf, in dem es unbequem wird.

Wenn wir schon so mit jenen Tieren umgehen, die wir gern haben und die uns nahe stehen, wen wundert es da, dass wir mit unseren Nutztieren so umgehen, wie wir es tun?

Wen wundern da BSE und Schweinegrippe und jetzt eben Pferde im Rinderpelz? Mich nicht mehr. Wenn wir glauben, nicht ohne Unser täglich Fleisch auskommen zu können und wenn wir außerdem nicht bereit sind, angemessenes Geld dafür zu bezahlen, dann zahlen wir trotzdem den Preis, irgendwie. Natürlich braucht es die Bereitschaft des Einzelnen, am schmalen Grat zwischen Recht und Unrecht entlang zu schrammen. Aber der Acker, auf dem dieser Einzelne seine Samen streut, das sind wir. Der Acker trägt Früchte. Und deshalb wird dieser Skandal auch nicht der letzte sein.

Ob denn Pferdefleisch unbedenklich für die Gesundheit sei, fragen nun verunsicherte Konsumenten. Ich frage: Wie weit haben wir uns eigentlich schon von unseren Lebensmitteln entfernt?

Also ganz ehrlich: Wen wundert’s?

Kommentare:

  1. Schinder? Den nennt man tatsächlich immer noch so? Schlimm!

    Mir kommt schön langsam vor, dass alles, mit dem betrogen werden kann, auch betrogen wird. Ich als Konsumentin von Bio-Eiern komme ja auch nicht unbedingt ungeschoren davon, zumindest in Deutschland wäre ich es nicht.

    Ich weiß also bald nimmer, auf welchen Acker ich meine Samen (schöne Formulierung übrigens) ausstreuen soll, damit dann das wächst, was ich mir wünsche.

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  2. Es ist schwierig, wenn man nicht die Möglichkeit hat zur Gänze zum Selbstversorger zu werden.
    Wenn selbst Bio und andere Gütesiegel versagen, wem kann man denn dann vertrauen?

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  3. Ja, Turbohausfrau, das nennt man immer noch so. Finde ich auch extrem schlimm. Wobei man das bei uns ja etwas anders ausspricht, fast wie mit einem harten "t", also Schindter. Keine Ahnung, woher das kommt. Ich habe auch immer mehr das Gefühl, dass man bald nur noch sich selbst und einem kleinen Kreis ehrlicher Produzenten vertrauen kann ...

    Und das mit den Gütesiegeln, giftigeblonde? Ist offenbar auch nicht (mehr) ganz das Goldene vom Ei. Wer Schindluder treiben will, der schafft es auch, irgendwie...

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