Freitag, 27. Juli 2012

WALgeNÜSSE


Der Walnußbaum

Ich war ein Kind. Und mein Gespiele,
der jede Freude, jeden Traum
und jeden Kummer mit mir teilte —
das war ein alter Walnußbaum.

Fiel mir ein Zittern in die Seele,
ein Bangen vor der Einsamkeit,
so lief ich flink zu meinem Freunde
und klagte ihm mein kleines Leid;

Und schlang um seinen Stamm die Arme
und duckte scheu mich wie ein Dieb,
sah zu ihm auf in heißen Tränen
und fragte leis: "Hast du mich lieb?"

Und wenn er schwieg, so sann ich lächelnd:
„Es gibt doch auch ein stummes Ja?"
Und meine Seele war getröstet,
und Freude war mir wieder nah.

Mathilde von Bayern (1877 – 1906)


Sirupnüsse

(nach einem Rezept aus: “wild kochen” von A. Eckmann, erschienen im Christian Verlag)

Grüne Walnüsse werden traditionell am Johannistag, dem 24. Juni, gesammelt. Da ich nicht so sehr der Likör- und Schnapsfan bin, habe ich mich heuer an Sirupnüssen versucht. Sie schmecken knackig, würzig und süß, sehr ungewöhnlich, aber delikat. Wunderbar als Nachspeise mit Schlagobers oder Rahmjoghurt oder auch zu cremigem Weichkäse.

Zutaten

25 grüne Walnüsse
2 EL Zitronensaft
1 kg Zucker
300 ml Wasser
2 EL Zitronensaft
1 TL ganze Nelken

Tag 1
Walnüsse mit einem Sparschäler so dünn wie möglich schälen. In einen Schüssel geben und mit kaltem Wasser bedecken.

Tag 2 bis 8
Jeden Tag das Wasser abgießen und die Nüsse wieder mit kaltem Wasser bedecken.

Tag 9
Die Walnüsse gründlich abspülen und jede Walnuss einige Male mit einer Fleischnadel oder einem Spießchen anstechen. In einen großen Topf geben und etwa 1 Stunde kochen, bis sie gar sind (das erkennt man daran, dass die Walnuss vom Spießchen fällt, wenn man sie damit ansticht). Abseihen.
Die Nüsse in eine Schüssel mit kaltem Wasser und 2 EL Zitronensaft geben. 2 – 3 Stunden stehen lassen, dann das Wasser abgießen.
Für den Sirup den Zucker mit 300 ml Wasser erhitzen, bis er sich aufgelöst hat. Die Nüsse hinzufügen und alles etwa 5 Minuten leicht köcheln lassen. Den Topf vom Herd nehmen und zugedeckt 12 Stunden ziehen lassen.

Tag 10
2 EL Zitronensaft und die Nelken zu den Wanüssen geben, alles noch einmal vorsichtig aufkochen. Die Walnüsse samt dem Sirup in saubere Gläser füllen und gut verschließen. Abkühlen lassen und kühl aufbewahren.
Mittwoch, 25. Juli 2012

Emanzenpflanzen


Die große Brennnessel ist ein bemerkenswert modernes Kraut: Mann und Frau leben in getrennten Wohnungen. Hat die Brennnesselfrau Lust auf Nachkommen, macht sie ihrem Nachbarn (ihren Nachbarn) schöne Augen und nutzt den virtuellen Raum zur – absolut beziehungsstressfreien - Fortpflanzung. Und dann ist sie Alleinerzieherin, bis die Kinder groß sind.
Na wenn das nicht in unsere heutige Zeit mit ihren aufgebrochenen Familienstrukturen und flexibel-kreativen Wohn- und Lebenskonzepten passt? Und trotzdem will die Brennnessel keiner haben, sie ist DAS Un-Kraut schlechthin. Dabei haben wir ihr eines der schönsten Geschenke des Spätsommers zu verdanken: die Brennnesselsamen.

Ganz nüchtern-botanisch-sachlich betrachtet: Die große Brennnessel ist zweihäusig, es gibt also männliche und weibliche Pflanzen. Beide bilden ab etwa Ende Juni winzige Blüten aus, die wie Perlenschnüre aus den Blattachsen hängen. Die weiblichen Blüten werden durch die männlichen Blüten per Windbestäubung befruchtet. Als Ergebnis entwickeln sie sich ab Juli zu kleinen grünen Nüsschen.


Diese Nüsschen reifen vor sich hin und können im August und September geerntet werden. Das geht ganz einfach: Ausgerüstet mit Handschuhen, einer Gartenschere und einer großen Schüssel ziehe ich los. Ich schneide die Brennnesseln ab, halte sie kopfüber über die Schüssel und streife mit den Händen die Samen ab. Dabei gehen natürlich auch Blätter und Stängel mit, was mich vorerst gar nicht stört. Zuhause wutzle ich meine Ernte kräftig zwischen den Händen durch, sodass möglichst alle Samen von den Stängeln fallen. Dann nur noch durchsieben und einige Tage auf Backpapier zum Trocknen auslegen, dabei öfters durchmischen.


Brennnesselsamen wurden angeblich früher dem Pferdefutter beigemischt, um die Tiere schnell und feurig zu machen. Auch über aphrodisierende Wirkungen wird berichtet, aber bitte, ich bleibe hier bei den kulinarischen Vorzügen.
Die Samen schmecken leicht nussig und knacken schön im Mund. Sie sind ein gesunder und lustiger Butterbrotbelag, können aber auch angeröstet und über Salate, Reis- und Nudelgerichte oder Suppen gestreut werden. Oder als Beigabe zu Kräutersalz, in Brot einbacken, mmh, was noch?

Mürbes Brennnessel-Gebäck

Ich habe mich vor einem Jahr dazu hinreißen lassen, einen Keksausstecher in der Form eines Brennnesselblattes zu kaufen - handgefertigt von der Kexfabrik in Wien, nach einer Vorlage, die ich zuvor per Mail geschickt hatte. Drei oder vier Tage später war das Ding schon in meinem Postkastl. Und jetzt freue ich mich jedes Mal wie ein Christkind, wenn ich damit backe..
Diese mürben Kekse passen gut zu einem Glas Wein oder Bier. Sie werden aus Topfenmürbteig gemacht und wenn es einen Teig gibt, den ich stundenlang kneten könnte, dann wäre es dieser: seidig und kühl, ein echter Handschmeichler. Ich habe Brennnesselsamen vom letzten Jahr verwendet und war überrascht, wie duftig und frisch sie noch waren.


Zutaten für etwa 2 – 3 Blech voll

250 g Butter
250 g Topfen
250 g Mehl
1 Ei zum Bestreichen
Brennnesselsamen und Salzflocken zum Bestreuen

1. Butter, Topfen und Mehl rasch zu einem glatten Teig verkneten und über Nacht im Kühlschrank rasten lassen.

2. Den Teig  auf einer bemehlten Arbeitsfläche 3 mm dick ausrollen und beliebige Formen ausstechen oder mit einem Teigrad Stangerl schneiden.

3. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen, mit Ei bestreichen, ordentlich mit Brennnesselsamen und Salzflocken bestreuen.

4. Bei 180 °C etwa 15 – 20 Minuten backen.
Mittwoch, 18. Juli 2012

Brownies, kalorienfrei


Kalorien und Genuss, das geht nicht zusammen. Erstere verhalten sich nämlich zu letzterem proportional, und zwar reziprok. Bei vielen Menschen (vor allem Frauen, leider) verringert sich der Genuss, oder besser gesagt das Genießen-Können, ganz dramatisch, wenn sie wissen, wie viele Kalorien ein Stück Torte beherbergt, ein Salatdressing oder eine Waffeltüte mit zwei großen Gupf Erdbeereis drauf. Das ist schade! Weil…

… Essen weit mehr ist als die (energetische) Summe seiner Bestandteile.
… nutritive Plus-Minus-Rechnungen die Lust am Essen, eine vielfältige Küche, die Neugier auf Unbekanntes, die Freude an der gemeinsamen Mahlzeit, einfach alles, was eine gute Ernährungsweise ausmacht, in den Hintergrund drängen.
… Kalorienzählen höchst sinnlos ist, da ungenau, mühsam und mehr als anstrengend.
… es klüger ist, sich auf sein Bauchgefühl (und den Hosenbund, den lass ich auch noch gelten) zu verlassen als auf fade Zahlenakrobatik.
… Genießer, und jetzt kommt’s, im Durchschnitt schlanker sind als Menschen, die mit den sinnlichen und hedonistischen Seiten des Kochens und Essens wenig anfangen können.

Hiermit und daher erkläre ich,
das Mädel vom Land,
diesen Blog und all seine Rezepte zur
kalorienfreien Zone.


Und weil es wurscht ist, wie viele Kalorien in meinen vielfach erprobten Brownies stecken (weil es ja sowieso kalorienfreie Brownies sind), ist es auch wurscht, wie viel Schokolade, Butter, und Zucker ich dafür nehme. Also Augen zu und durch, der Genuss dieser saftigen, schokobraunen, weichen und samtigen Dinger ist ein echter, einer der sein darf und muss.

Meine ultimativen Brownies

Zutaten für 1 großes Blech

460 g Zartbitterschokolade
240 g Butter
280 g Mehl
1 TL Backpulver
¼ TL Salz
300 g Zucker
2 EL Vanillezucker
6 frische Eier

1. Backrohr auf 180 °C vorheizen. Blech mit Backpapier auslegen.

2. 400 g Schokolade mit der Butter schmelzen und etwas überkühlen lassen. Restliche Schokolade grob hacken.

3. Mehl, Backpulver und Salz vermischen.

4. Die lauwarme Schoko-Butter-Mischung mit Zucker, Vanillezucker und Eiern verrühren.

5. Nach und nach die Mehlmischung dazugeben und alles zu einem glatten Teig verrühren. Schokostückchen unterheben. Den Teig jetzt unbedingt kosten, er schmeckt himmmmmlisch!

6. Den Teig auf das Blech streichen und etwa 25 Minuten backen. Die Brownies sollen eine knusprige Oberfläche haben, innen aber noch schön weich sein.


(Die Fotos übrigens habe ich von einem anderen Schokokuchen-Rezept gemacht, das mich jedoch nicht restlos überzeugt hat. Daher stimmen in diesem Post Foto und Rezept nicht 100% überein. Ich hoffe, ihr könnt mir diese kleine Unstimmigkeit verzeihen.)
Sonntag, 15. Juli 2012

Der vierbeinige Patient


In letzter Zeit frage ich mich oft, was wohl hinter diesen Augen vor sich geht. Langweilt er sich, der alte Kindskopf (er ist nie erwachsen geworden, musste er auch nicht, seine Mama ist bis heute an seiner Seite)? Freut er sich über die Auszeit? Nervt ihn das Herumdoktern? Oder genießt er die besondere Fürsorge und Aufmerksamkeit, die ihm momentan geschenkt wird?

Mein Pferd Phoenix (bei mir, seit er auf der Welt ist) hat sich vor etwas mehr als zwei Monaten die Sehne des linken Vorderbeins verletzt. Die Tierärztin hat ihm 9 Monate Ruhe auferlegt. Seitdem wird er gepflegt und umsorgt, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Er steht in der Früh auf, wartet darauf, dass ihm jemand sein Frühstück macht und lungert dann den ganzen Tag herum, in der Sonne dösend oder auch nicht. Abends darf er ein kleines Stück spazieren gehen, dann ist aber auch schon wieder Zeit für seine Abendration in der frisch gemachten Box. Mmh, das klingt nach Urlaub und den soll er auch haben. Ich bin dankbar, dass er noch da ist.

Kräuterkugeln



Zutaten

3 Karotten
3 Äpfel
500 g Vollkornhaferflocken
250 g Weizenkleie
½ l Wasser
20 Kräuterzuckerl

1. Wasser erhitzen und Kräuterzuckerl darin auflösen.

2. Äpfel und Karotten grob raspeln, mit Haferflocken und Weizenkleie gut vermischen.

3. Das Kräuterzuckerl-Wasser dazugeben und zu einem griffigen Teig verarbeiten. Etwa 45 Minuten rasten lassen.

4. Mit den Händen oder zwei Teelöffeln kleine Kugeln formen und auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech etwa 60 – 90 Minuten bei 170 °C backen, bis sie hart geworden sind.

5. Die Kräuterkugeln noch etwa einen Tag gut durchtrocknen lassen.


Was sein Bein angeht, probieren wir derzeit verschiedenste Ansätze aus, um den Heilungsverlauf zu unterstützen, unter anderem Aromatherapie (nach einer Rezeptur von Himbeerschoko, danke dafür!), sanftes Bewegen und Gymnastizieren sowie Behandlungen mit Beinwell. Diese Pflanze gilt als „Arnika der Knochen, Gelenke und Sehnen“ und ist, so habe ich recherchiert, bei Sportverletzungen das Mittel der Wahl (weil entzündungshemmend, schmerzlindernd, abschwellend). Beinwell wächst bei uns recht üppig und ich habe es regelrecht genossen, mit Spaten und Händen nach den Wurzeln zu graben. Die sind dick und kräftig und von einer schwarzen Außenrinde umgeben, weshalb die Pflanze im Volksmund auch Schwarzwurzel genannt wird.


Die Wurzeln werden gewaschen und samt der Außenrinde in Scheibchen geschnitten. Ich habe sie dann zu Tinktur und Salbe verarbeitet, beides wende ich äußerlich an.

Beinwell-Tinktur

Ein weithalsiges Glas, das ungefähr 1 Liter fasst, etwa zur Hälfte mit klein geschnittenen Beinwell-Wurzeln füllen und mit Obst- oder Kornbrand aufgießen. Etwa 3 Wochen in die Sonne stellen, dabei ab und zu schütteln. Abseihen und in eine Flasche umfüllen.


Beinwell-Salbe

Beinwell-Wurzeln  sehr klein schneiden und in einen Topf geben (die Menge hängt vom späteren Bedarf ab, ich habe 800 g verarbeitet, für den Anfang und „menschlichen“ Gebrauch tun es aber sicher auch 100 g). Mit Olivenöl auffüllen, die Wurzeln sollen gut bedeckt sein. Das Öl erhitzen und die Wurzeln etwa 1 Stunde ausbraten, dabei das Öl nicht zu heiß werden lassen.
Abseihen, das Öl abmessen und wieder zurück in den Topf geben. Pro 100 ml Öl 10 g Bienenwachs zugeben und schmelzen lassen. In Salbendoserl (in meinem Fall waren es große Gläser) füllen und beschriften.
Mittwoch, 11. Juli 2012

So ein Sch...oki


Manchmal, da muss ich Dinge einfach ausprobieren, obwohl ich von vornherein weiß, dass sie nicht funktionieren oder mich enttäuschen werden. Es ist ein innerer Zwang, der mich dazu treibt. Nennt es naiv. Ich nenne es: neugierig, optimistisch, hoffnungsvoll. Vielleicht kommt es ja am Ende doch, das Heureka-Erlebnis mit fünf Ausrufezeichen, mindestens. Es ist aber eigentlich egal, wie man es nennt. Tatsache ist: Ich muss. Ich muss, muss, muss. Ich MUSS, kapiert?

Der Lindenbaum vor meinem Elternhaus: Dort wird Kaffee getrunken, geplaudert und Pause gemacht, Dinge werden abgelegt und wieder abgeholt, Gäste werden empfangen und verabschiedet. Gerade hat der Baum wunderschön geblüht und das Blätterdach wurde zum summenden Bienenhaus. Lindenblüten sind perfekt, um Zucker, Desserts oder Getränke damit zu beduften. Auch ihre schweißtreibende Wirkung bei grippalen Infekten ist bekannt.

Ganz in Vergessenheit geraten ist hingegen die Verwendung der Linde als Speisebaum. In knappen Zeiten hat man mitunter auf nahrhaftes Laub wie etwa Lindenblätter zurückgegriffen, um beispielsweise Getreidemehl zu strecken. Ich muss zugeben, es kostet einige Überwindung, mit grünem Mehl zu backen. Es ist aber äußerst spannend, auf den kulinarischen Spuren unserer Vorfahren zu wandeln, die den heutigen Überfluss nicht kannten und kreativ mit dem umgehen mussten, was ihnen zur Verfügung stand. Ich habe schon einmal Butterwaffeln mit Lindenmehl gebacken (Lindenblätter und Blattknospen trocknen, portionsweise in einer elektrischen Kaffeemühle pulverisieren, versieben, 30 Prozent des Mehls im Rezept durch Lindenblättermehl ersetzen). Sie waren durchaus genießbar, im besten Sinn des Wortes.

Auf der Suche nach weiteren kulinarischen Verwendungsmöglichkeiten der Linde las ich von:
* zarten Lindenblättern als Salatzutat oder Pfannengemüse,
* Brotrezepten,
* Lindenfruchtschokolade.

Zack. Caught in a trap. “Unreife Lindenfrüchte und getrocknete Lindenblüten können zu einer Paste verarbeitet werden, die nach Schokolade schmeckt.“ Schon war ich im MUSS-Modus, echt arg, wie schnell das geht.


Das Rezept

Im 18. Jahrhundert hat man die wundersame Entdeckung gemacht, dass das Verreiben der unreifen Lindenfrüchte mit getrockneten Lindenblüten ein schokoladenähnliches Aroma hervorbringt. Verantwortlich dafür sind vor allem die nussähnlichen Samen in den Früchten, genauer gesagt deren ätherische Öle. Offenbar wurde Lindenschokolade für kurze Zeit sogar kommerziell hergestellt. Rezepturen und Technologien sind jedoch mehr oder weniger verloren gegangen.

Zutaten

40 g getrocknete Lindenblüten
500 g unreife Lindenfrüchte
Traubenkernöl

1. Die Lindenblüten pulverisieren.

2. Die Lindenfrüchte mit den Lindenblüten und gerade so viel Öl vermixen (ich habe einen normalen Standmixer verwendet), dass eine Art Paste entsteht. Voilà. Das Ganze sieht dann so aus:


Im Rezept, das ich gefunden habe, steht noch die Anmerkung, dass die Lindenschokolade ihren Geschmack sehr schnell verliert. Deshalb wird empfohlen, die Lindenblüten zu trocknen und die unreifen Lindenfrüchte einzufrieren, damit die Paste am Tag des Verzehrs frisch zubereitet werden kann.

Das Ergebnis

Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es Pferdefutter war, das da vor mir in der Schüssel. Eingeweichte Rübenschnitzel sehen ja ganz genau so aus. Der Geschmack: Ein wenig bitter, ein wenig säuerlich (alles Aromenkomponenten guter Schokolade…), aber WIE Schokolade? Nein.

Die Fortsetzung

Natürlich hab ich nicht aufgegeben und kleine Mississippi Mud Pies daraus gemacht: Lindenschokoladenfüllung (aus 1 Ei + 70 g Staubzucker schaumig gerührt, 50 g Lindenschokolade untergehoben – ergibt 4 kleine Pies) auf Mürbteigboden, bei 180 °C etwa 35 Minuten gebacken, abgekühlt mit Schlagobers und Kakaopulver dekoriert.
Die Pies waren gut, aber das Schokowunder ist ausgeblieben.


Die Lindenschoko-Enttäuschung war erst halb verdaut, da kam mir ein Ö1 Moment Kulinarium in den Sinn, das kürzlich erst auf Sendung war. Es ging um Bubble Tea.

Der MUSS-Modus, verdammt.


Samstag, 7. Juli 2012

Das Gute liegt so nah


Jedes Jahr am ersten Sonntag im Mai findet in der kleinen Mühlviertler Ortschaft Gutau der Färbermarkt statt. Ich bin dort gerne Gast. Es ist mit einer eigenwillig archaischen Stimmung behaftet, durch den Standlmarkt zu schlendern und die Waren der Leinenweber, Färber und Kunsthandwerker zu bestaunen. In Gutau lässt sich auch das einzige Färbermuseum Österreichs besichtigen, das viel über den Blaudruck und seine Geschichte zu erzählen weiß.


Heuer habe ich mir zwei Stoffservietten der Handblaudruckerei Wagner aus Bad Leonfelden geleistet, die heute noch in Handarbeit mit teils uralten Druckmodeln wundervoll indigogefärbte Leinenstoffe herstellt. Ein echtes Blaudruckdirndl kommt auch irgendwann, bestimmt.


Das Mühlviertel war einst ein traditionsreiches Leinanbaugebiet, ein Zentrum der Leinenweberei und Färberei. Der blühende Lein (oder auch Flachs genannt) hüllte weite Teile der Landschaft in verlockendes Blau. Muss das schön gewesen sein. Auch das Färben mit Pflanzen wie Färberwaid, Färberdistel oder der Krappwurzel gehörte zu dieser Kultur dazu. Und steht auch auf meiner Projektliste ganz oben. Letztes Jahr habe ich den Versuch gewagt, einige Stoffe mit Holunderbeeren zu färben. Das Lila war betörend, allerdings blieb nach dem Waschen nur mehr ein spärliches (und gar nicht mehr attraktives) Grau zurück. Mmh, der nächste Versuch folgt bestimmt.


Neben den Fasern für die Leinenherstellung lieferte der Flachs auch den wertvollen Leinsamen, aus dem Leinöl gepresst wurde. Im Mühlviertel sind heute noch einige kleine, dezentrale Ölmühlen beheimatet, wie etwa die Ölmühle Haslach, die das Leinöl wieder populär machen wollen.

Ein traditionelles und einfaches Gericht sind Leinölerdäpfel, blättrig geschnittene Kartoffeln in einer sämigen Sauce aus Milch und Leinöl. Eine echte Leibspeise.


Leinölerdäpfel

(aus „Mühlviertler Küche“ von Georg Friedl, erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz)

Zutaten für 4 Personen

8 große halbmehlige Erdäpfel (Friedl empfiehlt die Sorte Linzer Rose)
1/8 l Leinöl
½ l Milch
Salz, Muskat
1 EL Leinsamen, ganz oder frisch geschrotet
Schnittlauch

1. Erdäpfel kochen, schälen und blättrig schneiden.

2. In einen Topf geben und knapp bedeckt mit Milch auffüllen, 1/16 l Leinöl dazugeben.

3. Mit Salz und Muskat würzen und zum Kochen bringen.

4. Auf kleiner Flamme köcheln lassen, bis die Milch mit den Erdäpfeln sämig eingekocht ist.

5.  Mit Leinöl, Leinsamen(schrot) und Schnittlauch anrichten.


Was die Samen des Leins so besonders (und auch so empfindlich*) macht, sind die so genannten Omega-3-Fettsäuren, die in besonders großer Menge im Leinöl enthalten sind. Diese Art von Fettsäuren ist im menschlichen Stoffwechsel unentbehrlich (Bestandteil der Zellwände, Gehirnentwicklung, günstig bei Bluthochdruck und entzündlichen Prozessen,…), gleichzeitig aber sind wir auf die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren über die Nahrung angewiesen, weil wir sie selber nicht herstellen können. Also zwei- bis dreimal pro Woche Kaltmeeresfische, wie es die Ernährungswissenschaft vorschlägt? Diese Empfehlung bring ich kaum noch über die Lippen angesichts dessen, was in den Weltmeeren gerade passiert. Leinöl ist da doch eine grandiose – und noch dazu regionale – Alternative.

Eine, die den Wert des Leinöls auch aus wissenschaftlicher Sicht intensiv erforscht hat, war Frau Dr. Johanna Budwig. Ihr haben wir die so genannte Öl-Eiweiß-Kost zu verdanken, die an und für sich als Diätform bei Krebserkrankungen entwickelt wurde. Ich kann ihr aber auch für mein alltägliches Frühstück etwas abgewinnen, beispielsweise den Leinöl-Topfen mit Früchten.


Leinöl-Topfen

Zutaten für 1 Portion

125 g Topfen
3 EL Leinöl
3 EL Milch
1 TL Honig
2 EL frisch geschroteter Leinsamen (geht gut in der Kaffeemühle)
Früchte und Nüsse nach Geschmack

1. Topfen mit Leinöl, Milch und Honig zu einer glatten Creme verrühren.

2. Mit Leinsamen und Früchten / Nüssen bestreuen.


Die wissenschaftlichen Hintergründe für diese Kostform sind übrigens (ganz kurz gefasst) folgende: Die Zellatmung in unserem Körper, also die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff, kann nur dann gut funktionieren, wenn auch die Zellmembranen optimal beisammen sind. Das wiederum hängt eng mit dem Fettstoffwechsel und den Omega-3-Fettsäuren zusammen, aber auch mit bestimmten Eiweißbausteinen, den schwefelhaltigen Aminosäuren.
Was das alles mit Krebs zu tun hat? Krebszellen sind in der Lage, auch ohne Sauerstoff zu überleben – und damit im Vorteil, wenn die Zellatmung schlecht funktioniert.
Budwigs Gleichung lautete daher: Omega-3-Fettsäuren + schwefelhaltige Aminosäuren = gute Zellatmung. Oder auch: Leinöl + Topfen = Gesundheit.
Sicher weiß man, dass es für die Entstehung von Krebserkrankungen ganz schön viele, teils noch unerforschte, Ursachen gibt. Aber irgendwie klingt das für mich plausibel. Und es spricht ja nichts dagegen, gleich mal vorbeugend meine Zellen zu verwöhnen…

*Leinöl sollte möglichst frisch sein und im Kühlschrank aufbewahrt werden. Denn durch den hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren ist es sehr empfindlich und wird rasch bitter.

Dienstag, 3. Juli 2012

Mein kleiner Badewaschl


Die Lieblingsbeschäftigung vom Minimädel ist: Waschln. Gieß ich die Blumen, sagt sie: „Helfen!“, aber eigentlich möchte sie: Waschln. Steh ich in der Küche, schiebt sie die kleine Holztreppe zur Abwasch und fragt mich mit ihrem Engelsgesicht: „Waschln?“ (Die Küche danach, man kann sich’s vorstellen) Und baden, das liebt sie natürlich. Denn baden heißt: Waschln. Und zwar ohne gröbere Einschränkungen.

Bei akutem Waschl-Mangel untertags muss dann abends die Badewanne herhalten, auch im Sommer. Und damit es noch ein bissl lustiger ist, gibt es selbst gemachten:

Badespaß
(nach einem Rezept aus dem Buch „Naturkinder“ von Caroline Hosmann, erschienen im Haupt Verlag)

Zutaten für 1 Badewanne

…für liebe Blumenkinder


2 EL Salz
2 EL Speisesoda
8 Tropfen rote Lebensmittelfarbe
1 kleine Hand voll getrocknete Blütenblätter (zum Beispiel Rosen aus Omas Garten, Kornblumen, etc.)
5 Tropfen ätherisches Rosenöl

… für furchtlose Kräuterpiraten


2 EL Salz
2 EL Speisesoda
8 Tropfen grüne Lebensmittelfarbe
1 kleine Hand voll getrocknete Brennnesselblätter
5 Tropfen ätherisches Vanilleöl

1. Salz und Speisesoda vermischen, Lebensmittelfarbe und ätherisches Öl gut unterrühren, sodass alles gleichmäßig verteilt ist.

2. Die Blüten oder Blätter untermischen.

3. Der Badespaß kann nun gleich beginnen.

4. Oder aber er wird verschenkt. Dazu füllt man alles in Cellophan- oder Papiersäckchen und beschriftet sie schön. Ich hatte noch Cellophansackerl mit 9,5 cm Breite daheim, habe dafür kleine Etiketten gemacht und auf den Sackerln mit einer Klammerlmaschine befestigt. Zusätzlich kann man noch Schleifen, Bänder oder ähnliches zum Dekorieren verwenden.

Viel BadeSpaß!

P.S.: Badewaschl, so nennt man in meiner Gegend übrigens den Bademeister im Hallen- oder Freibad J
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