Samstag, 30. Juni 2012

Hihi, Pandabrot


Da steh ich also vor den knuffigen, wuschigen Schwarz-Weiß-Bärlis im Schönbrunner Zoo und drücke mir gemeinsam mit einer Vielzahl anderer die Nasen platt (an der Glaswand, nicht an den Bären). Fütterungszeit für die Pandas. Riesen Haufen Bambus. Und wir wollen natürlich sehen, wie die fressen. Ist ja auch zu niedlich, wie sie da lümmeln, völlig lässig und entspannt, und die Rinde von den Zweigen schälen, um an das saftige Mark zu kommen.

Recht viel sehen wir allerdings nicht außer den breiten, behaarten Rücken (die, ja, natürlich auch niedlich sind). Wir Zweibeiner sind halt unbelehrbar. Lassen das Blitzen nicht beim Fotografieren. Und das ist natürlich beim gemütlichen Nachmittagssnack schon eher unangenehm. Also denken die sich, habt’s mich gern, Gruß von hinten. Find ich cool.

Pandas kann man nicht nur anschauen, man kann sie auch backen. Vor vielen Jahren habe ich in einem Blog ein Pandabrot entdeckt, das seitdem auf meiner Liste steht. Die Idee ist echt witzig. Ein Germteig wird in drei Teile geteilt, zwei davon werden eingefärbt und dann schichtet man die Teile so über- und nebeneinander, dass ein Pandagesicht entsteht. Es hat auch ganz gut funktioniert, allerdings sieht mein Panda nicht so niedlich aus wie der hier (das Original) oder der, sondern eher wie ein, na sagen wir mal, ein Fuchs. Die spitzen Ohren, die scharfen Augen … Aber das passt ja eigentlich, wir sind schließlich in Europa.

Pandabrot

Zutaten für eine kleine Kastenform

1 Eidotter in ein Gefäß geben und mit Milch auf 210 g auffüllen
20 g Butter
270 g Mehl
30 g Maisstärke
30 g Zucker
1 TL Salz
4 g Trockengerm (etwas mehr als ein halbes Packerl)
8 g Matchapulver oder Lindenblättermehl* in 2 EL kochend heißem Wasser aufgelöst
8 g Kakaopulver in 2 EL kochend heißem Wasser aufgelöst

1. Milch und Eidotter verschlagen und leicht erwärmen, die Butter darin schmelzen.

2. Mehl, Stärke, Zucker, Salz und Trockengerm in einer Schüssel vermischen. Warme Milchmischung dazugeben und mit dem Handmixer oder der Küchenmaschine (Knethaken) einige Minuten lang gut verkneten.

3. Teig in drei Teile teilen: 75 g für die dunkle Masse, 210 g bleibt hell, der Rest (etwas weniger als 280 g) für die grüne Masse.

4. Aufgelöstes Kakaopulver und Matchapulver / Lindenblättermehl unter den jeweiligen Teig kneten, bis die Farbe gleichmäßig verteilt ist.

5. Die drei Teile in separate Schüsseln geben, zudecken und an einem warmen Ort 45 Minuten gehen lassen.

6. Teige kurz durchkneten und nochmals 30 Minuten gehen lassen.

7. Nun geht’s ans Formen. Ein 90 g-Stück vom weißen Teig wird das Gesicht. Zu einem Strang ausrollen, der die Länge der Kastenform hat.
2 Stücke zu je 27 g vom dunklen Teig werden die Augen. Der Zwischenraum zwischen den Augen wird mit 30 g vom hellen Teig ausgefüllt. Die einzelnen Teigstränge lassen sich gut mit Wasser „zusammenpicken“. Das ganze sieht jetzt so aus:


8. Den restlichen hellen Teig so groß ausrollen, dass man die Teigstränge schön umwickeln kann.


9. Den verbliebenen dunklen Teig teilen und zu Strängen formen, das werden die Ohren.


10. Ein 70 g-Stück des grünen Teiges füllt den Raum zwischen den Ohren aus.


11. Der restliche grüne Teig wird wieder so groß ausgerollt, dass das gesamte Gebilde damit umwickelt werden kann. Na, seht ihr schon den Panda?


12. Ab damit in die Form (ich hab den Boden mit Backpapier ausgelegt).


13. Teig abdecken und nochmals 50 – 60 Minuten gehen lassen.

14. Backen bei 200 °C für etwa 25 – 30 Minuten.

15. Anschneiden und staunen. Das Gesicht ist bei jeder Scheibe anders. Und kann auch zur teuflischen Fratze werden, siehe unten.


*Lindenblättermehl lässt sich leicht herstellen, indem man junge Lindenblätter trocknen lässt und dann portionsweise in einer Kaffeemühle fein vermahlt. Es empfiehlt sich, das Mehl danach noch zu sieben.
Sonntag, 24. Juni 2012

Besser zu zweit

„Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend.“
Johann Wolfgang von Goethe

Welchen Genuss Goethe wohl meinte, als er diesen Satz von sich gab? Und welche dauerhaften Empfindungen wohl daraus entstanden sein mögen? Hatte er eine Antwort auf die Gretchenfrage gefunden? War der Sturm und Drang grade mit ihm durchgebrannt, im ganz banalen Sinn? Oder hatte er doch einfach „nur“ von einer Speise gekostet, die so herrlich war, dass er noch Tage später daran dachte?

Bevor ich mich jetzt in (mit ziemlicher Sicherheit nicht zutreffenden) Gedankenspielchen verliere, erzähle ich euch von meinem Genuss, einem kulinarischen nämlich, der auch nicht mehr gehen mag. Was gut ist (für mich), aber auch weniger gut (für alle anderen, denen ich gerade physisch nahe bin). Knofi sag ich nur. Aber da kann ich nicht aus. Der Genuss davor bremst die gerümpften Nasen und verzwickten Augen danach ganz lässig aus. Ist so.


Pasta mit kalter Hirtentäschel-Tomaten-Sauce

Zutaten für 2 (!) Personen

1 große Tomate
1 Knoblauchzehe
1 EL Zitronensaft
reichlich gutes Olivenöl
Salz
4 EL Hirtentäschelfrüchte*
Blütenblätter von 8 Kornblumen
200 g Nudeln
2 Spitzen von Hirtentäschelstengeln, wenn möglich mit Blüten, zum Dekorieren

1. Kochwasser für die Nudeln zustellen.

2. Die Tomate in Würfel schneiden und mit der gepressten Knoblauchzehe, dem Zitronensaft, Olivenöl, Salz, Hirtentäschelfrüchten und Blütenblättern in einem Schüsselchen vermischen. Bis zur Verwendung bei Zimmertemperatur ziehen lassen.

3. Nudeln in Salzwasser kochen und abseihen. Auf Tellern anrichten, die Sauce darüber verteilen, mit den Hirtentäschelzweigen dekorieren und servieren.

*Hirtentäschelfrüchte sind die kleinen herzförmigen Schötchen vom Gewöhnlichen Hirtentäschel. Sie schmecken leicht scharf, ähnlich wie Kresse. Ich schneide sie einfach mit einer Schere von der Pflanze, was vielleicht – ich gebe es zu – eine Fitzelarbeit ist, aber man braucht ja nicht viel.

Die Idee für dieses Rezept stammt von meiner Freundin S. Ihre Sauce besteht aus Cocktailtomaten, Mozzarellabällchen, Basilikum, Olivenöl, Knoblauch, Salz und Zitronensaft. Und weil ich in der Regel bei ihr schlafe, wenn sie dieses Gericht für mich kocht und wir dann beide knofeln, dass keine Schoki mehr hilft, hat es auch mit dem bleibenden Eindruck noch nie Probleme gegeben.
Freitag, 22. Juni 2012

Cola ist gesund


Und das aus meinem Mund.
Viele Menschen denken ja, was gesund ist, schmeckt grauslich. Zwangsweise. Und was gut schmeckt, ist ungesund. Immer.

Wasser schmeckt fad, ergo: good cop. Cola schmeckt nach mehr, ergo: bad cop. Oder? Wenn wir meine Abneigung gegen (oftmals stumpfsinnige) Kategorisierungsversuche unserer Nahrungsmittel in gute und böse / erlaubte und verbotene einmal ganz außer Acht lassen: Ungesund ja (weil Unmengen an Zucker, leere Kalorien, Aroma, Koffein nix für Kinder, in viel zu rauen Mengen, Ernährungsblabla, Verzeihung). Bis jetzt.

Als wir letztes Jahr beim KräuterWirt in Hirschbach zu Mittag aßen (meine kleine Schwester war kurz davor von ihrem Fallschirmsprungbegleiter etwas unsanft aus dem Flugzeug geschubst worden), standen die ungewöhnlichsten Kräutersirupe zur Auswahl: Brennnessel, Schargarbe, Rose. Und da las ich auch: Cola.

Bestellt und probiert. Das hellbraune Getränk schmeckte tatsächlich nach Cola. Und stellte auch die Kinder zufrieden. Ich hab nachgefragt und vom Colakraut (Eberraute, Artemisia abrotanum) erfahren, einer mehrjährigen Pflanze mit graugrünen Blättchen, die ganz verblüffend nach Cola riechen und schmecken.


Natürlich wächst jetzt eine Colapflanze bei mir am Balkon. Und die ist mittlerweile groß genug, dass ich sie schon ein wenig rupfen kann.

Cola selbstgemacht

Zutaten für etwa 1 Liter

4 EL Zucker
1 Liter Wasser
4 TL Colakrautspitzen (verwendet man mehr als die Spitzen, wird’s schnell bitter)
Bio-Zitrone und Eiswürfel nach Geschmack

1. Den Zucker in einen Topf geben und bei schwacher Hitze langsam karamellisieren. Dabei darauf achten, dass der Karamell zwar braun wird (wegen der Farbe!), aber nicht zu dunkel, sonst schmeckt das Cola nach verbranntem Karamell und gar nicht mehr gut.

2. Sobald der Zucker karamellisiert ist, vorsichtig mit dem Wasser aufgießen und erhitzen, bis sich der ganze Karamell aufgelöst hat.

3. Das Colakraut dazugeben, zudecken und abkühlen lassen.

4. In eine Glaskaraffe abseihen, mit Zitronenscheiben und Eiswürfeln servieren.

Wer den Karamellgeschmack nicht mag, kann sich mit einem Tropfen brauner Lebensmittelfarbe aushelfen. Dann könnte man auch einen Kaltansatz versuchen, also kaltes Wasser und Colakraut ansetzen, über Nacht ziehen lassen, am nächsten Tag nach Geschmack süßen und färben.

Für etwas mehr Colafeeling lässt sich das Getränk auch mit Kohlensäure versetzen (ich hab so eine „Maschine“ allerdings nicht daheim).

Oder einen Sirup herstellen (das hat die KräuterWirtin gemacht). Sie hat mir verraten, dass man ihn wie ganz normalen Kräutersirup macht, nur wird der Zucker vorher karamellisiert, wegen der Farbe. Die Anleitung ist ein wenig kryptisch. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass sich Zucker kiloweise gut karamellisieren lässt!? Aber soweit ich mich kenne, werd ich’s wohl versuchen… Der Sirup lässt sich dann super mit Mineralwasser aufspritzen.
Mittwoch, 20. Juni 2012

Sonnenwende


Morgen, am 21. Juni, ist Sommersonnenwende, der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Unsere keltischen Vorfahren haben um diese Zeit herum (be-)rauschende Feste gefeiert. Oder eigentlich waren es Gelage: mit selbst gebrautem Kräuterbier, Liebesschwüren für die Ewigkeit und Nockabatzl’n, die wild ums Feuer tanzten. Anscheinend wurden sogar Kinder über das Feuer geworfen, um sie gegen Krankheiten stark zu machen. Halleluja.

Die Kräuter, die um die Sommersonnenwende blühen, sollen den Überlieferungen nach besondere Kraft besitzen. Ich mag ja solche Geschichten und auch die Bräuche, die damit in Zusammenhang stehen. Ein besonders schöner ist der Sonnwendbusch’n von Hanni Reichenvater, dem ich vergangenes Jahr zum ersten Mal begegnete und der, wie ich hoffe, noch viele Jahre bei uns lebendig sein wird. Dafür werden Blumen, Gräser und Kräuter gesammelt, in ein Haselnussblatt gebettet und spätestens am Sonnwendtag beim Betläuten (19 Uhr) mit einigen guten Gedanken an der Haustür befestigt. Um diese Zeit nämlich soll die Heilige Maria alle Kräutersträußchen an den Türen segnen. Und damit sind auch Mensch, Tier und Haus für das kommende Jahr unter ihren Segen gestellt. Ist doch schön, oder?

Sonnwendbusch’n binden, das geht so:

Wenige Tage vor, spätestens aber an Sonnwend’ spaziere ich durch die Natur und sammle 14 verschiedene wilde Kräuter und Blumen (14 wegen der Vierzehn Nothelfer), dazu schöne große Haselnussblätter. Für mich ist es dabei nicht so wichtig, ganz bestimmte Pflanzen wie etwa das Johanniskraut zu finden – ich lasse mich einfach treiben und pflücke, was mich gerade anspricht.
Daheim breite ich meine Ernte aus und mache mich ans Binden: Das Haselnussblatt dient als Bett, auf dem ich die Pflanzen schön anordne. Dann binde ich den Strauß zusammen und schneide die Stengel auf gleiche Länge ab. Fertig!

Die Sträußchen sind eine wunderbare Art, lieben Menschen zu sagen, dass sie mir wichtig sind. Deshalb mache ich immer gleich mehrere davon.
Ach, und noch etwas: Der Strauß bleibt bei Wind und Wetter an der Tür, bei Schnee und Regen und bei Sonnenschein. Er durchlebt das ganze Jahr und kommt erst runter, wenn ihn bei der nächsten Sommersonnenwende ein frischer ersetzt. Dann wird er verbrannt, am besten in einem großen Sonnwendfeuer. Ob nackig oder nicht, das bleibt dabei natürlich eine private Entscheidung.
Montag, 18. Juni 2012

Kampf der süßen Giganten


Wiener Zucker wehrt sich gegen seine größten Konkurrenten, die Süßstoffe. „Schwärmen Sie für Joghurt mit Stevia-Glycosiden E960?“ fragen die Plakate, „Heute schon eine Melange mit Acesulfam genossen?“ oder „Gusto auf Torte mit Cyclohexylsulfaminsäure?“

Die Werbung gefällt mir, weil ich Süßstoffe nicht mag. Und sie gefällt mir auch noch aus anderen Gründen:

1. Weil mich der aktuelle Stevia-Boom derart nervt.

2. Weil zwar Süßes beworben wird, Kinder aber nicht die Zielgruppe sind (Werbung für Kinderlebensmittel gehört meiner Meinung nach viel strenger reglementiert als es jetzt der Fall ist).

3. Weil Zucker trotz der Schritte, die für seine Herstellung notwendig sind (Extraktion, Kristallisation, Raffination), aus meiner Sicht immer noch natürlicher ist als die gesamte Süßstoff-Familie.

4. Und er einfach besser schmeckt.
Samstag, 16. Juni 2012

Ein Wirbelwind mit bösen Keksen


Jetzt ratet mal, was das hier ist! Nein, ich halt’s nicht aus, ich muss es euch gleich sagen: Das ist stückchenweise Esskultur, nämlich Katharina Seisers Schottisches Shortbread, am Vortag frisch von ihr gebacken und himmlisch buttrigknusprigmürb.

Wie es dazu kam? Am vergangenen Donnerstag hatte ich beim Symposium des forum ernährung heute in Wien das Vergnügen, Kathas Gedanken zum Thema, wie man denn nun essen soll, zu lauschen. Wie ein Wirbelwind stürmte sie die Bühne und legte uns ihre kulinarische Sicht der Dinge klar. Eine Deklarationspflicht für offen verkaufte Ware forderte sie und Kochen (nicht Ernährungslehre!) als verpflichtendes Schulfach, sie plädierte für Eigenverantwortung beim Essen und mehr Achtsamkeit im Umgang mit unserer Nahrung. Sie teilte dem Fachpublikum das „Gebackene Böse“ aus (die Shortbreads nämlich): Voll mit raffiniertem Zucker! Tierischem Fett! Salz! Leeren Kohlenhydraten! Aber eben auch mit amüsanten Geschichten und wertvollen Zutaten. Von ihrem Bauch war die Rede („Der gehört mir! Nur mir!“), von versenkbaren Salzspendern und grauslichen Zusatzstoffen („Ich will das nicht essen!“). Und ihr erhobener Zeigefinger nahm mitunter bedrohliche Züge an. Wer nicht dort war, ist selber schuld.

Es war schön, dich kennenzulernen, Katha. Du bist genauso unverfälscht und sympathisch, wie es dein Blog vermuten lässt.

P.S.: Das Shortbread-Rezept ist also ausgetüftelt und wird bald auf esskultur.at gepostet. Katha hat’s versprochen.
Mittwoch, 13. Juni 2012

Fleischlos 3/3: Vegane Hascheeknödel


Als Oberösterreicherin liebe ich Knödel. Und als Hobbyköchin liebe ich Herausforderungen. Die finde ich zum Beispiel in veganen Rezepten. Ich habe mal mit dem Gedanken gespielt, für meine fleischaffinen Freunde ein veganes Menü zu kochen, ihnen das aber nicht zu sagen. Einfach zu schauen, was passiert. Als Dessert wäre ein Schokomousse recht, das mit Seidentofu gemacht wird und wirklich wahnsinnig gut schmeckt (ausprobiert vor nun schon mehreren Jahren). Als Hauptspeise vielleicht diese veganen Hascheeknödel, die OÖN-Kulinarikjournalist Peter Hirsch gemeinsam mit Hannes Braun, dem Küchenchef des Restaurants p’aa in Linz, gekocht hat?

Ich muss zugeben: Die Hascheeknödel würden nicht als echte durchgehen. Wobei sie gar nicht mal sooo schlecht waren. Das Wichtigste dabei ist aus meiner Sicht die Qualität und der Geschmack der veganen „Wurst“, die verwendet wird. Damit steht und fällt das Gericht.

Zutaten

Teig
4 speckige Kartoffeln, am Vortag gekocht, gepresst
gleichschwer Mehl
Salz
etwas Olivenöl

Fülle
mindestens drei verschiedene vegane Wurstsorten (im Bioladen)
1 Zwiebel
1 – 2 EL veganes Schmalz (im Bioladen)
1 Knoblauchzehe
Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Majoran

Malzbiersaftl
1 kleine Zwiebel
1 EL Olivenöl
1 Knoblauchzehe
Majoran
1/8 l Malzbier
dickflüssige Sojasauce oder vegane Mushroom-Oyster-Sauce (beides im Asiamarkt)

Stöcklkraut
Essig, Wasser, Salz, Zucker, Kümmel
1 mittleren Krautkopf
2 EL veganes Schmalz

1. Für das Stöcklkraut Essig, Wasser, Salz, Zucker und Kümmel in einem geräumigen Topf aufkochen. Den Krautkopf vierteln oder sechsteln (der Strunk bleibt dran!) und in den Topfn legen, das Schmalz dazugeben und zugedeckt in etwa 30 – 60 Minuten weich dünsten.

1. Für den Teig die Zutaten vermischen und 10 Minuten rasten lassen.

2. Für die Fülle die Wurstsorten faschieren. Fein geschnittene Zwiebel in Schmalz hell rösten, unter die Wurst mischen. Mit Knoblauch, Salz und Pfeffer, Majoran und Paprikapulver würzen.

3. Aus der Fülle kleine Knöderl formen und mit Kartoffelteig ummanteln.

4. In einem großen Topf Wasser zum Kochen bringen und salzen. Die Knödel einlegen und etwa 20 Minuten sanft köcheln lassen.

5. Für das Saftl die klein geschnittene Zwiebel in Olivenöl anschwitzen, Knoblauch und etwas frischen Majoran dazugeben und mit Bier aufgießen. Einkochen lassen und mit Sojasauce oder Mushroom-Oyster-Sauce abschmecken. Wer mag, kann die Sauce passieren. Sollte sie zu dünn sein, etwas Kartoffelstärke mit kaltem Wasser anrühren und die kochende Sauce damit eindicken.
Dienstag, 12. Juni 2012

Fleischlos 2/3: Kürbislasagne


 Diese Kürbislasagne ist ziemlich aufwendig, aber sie ist echt jede Minute wert, die man in der Küche verbringt. Durch das Sojagranulat (ich verwende das von Bioquelle, das finde ich am besten) ist die Lasagne auch für Fleischesser geeignet – es sieht täuschend echt nach Faschiertem aus. Das Rezept findet ihr hier, ich habe es genau nach Anleitung gemacht.
Montag, 11. Juni 2012

Fleischlos 1/3: Nudeln mit Kräuterseitlingen


Kräuterseitlinge sind meine neuen Lieblingsschwammerln, seit ich sie vor einigen Monaten zum ersten Mal im Biokistl hatte. Sie haben ein sehr zartes Aroma, sind bissfest und einfach wunderschön J.

Zutaten für 2 Personen

3 große Kräuterseitlinge
1 EL Butter, 1 EL Öl
1 fein gehackte Knoblauchzehe
Salz, Pfeffer
1 kräftiger Schuss Weißwein
250 g Nudeln
1 EL Butter
Petersilie, gehackt
Parmesan, grob geraspelt

1. Kochwasser für die Nudeln aufsetzen.

2. Kräuterseitlinge in mundgerechte Stücke schneiden.

3. In einer Pfanne 1 EL Butter und Öl schmelzen, Knoblauch kurz darin schmoren. Pilze hinzufügen, salzen und pfeffern.

4. Mit Weißwein ablöschen und zugedeckt etwas köcheln lassen.

5. In der Zwischenzeit die Nudeln al dente kochen, abgießen und dabei etwas vom Kochwasser auffangen.

6. Nudeln in die Pfanne zu den Schwammerln geben, alles gut vermischen und 1 EL Butter gut unterrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und etwas vom Kochwasser zugeben. Gut mischen und mit Petersilie und Parmesan bestreut servieren.

Sonntag, 10. Juni 2012

Erst kommt das Fressen, dann die Moral

Auf den knorrigen alten Holzstufen zum Heuboden hinauf, da hockt ein kleines Mädchen. Die Haare sind zerzaust, die Augen voller Tränen. Ein kräftiger Mann in Gummistiefeln betritt den Hof, er hält einen Strick in der Hand. Mit ihm verlässt ein junger Stier den Stall, er trottet misstrauisch und immer wieder stockend hinter dem Mann her, über die Laderampe hoch, auf den Laster. Das Mädchen springt auf. „Mörder!“ schreit es, dass es ihm die Stimme verschlägt. „Ihr seids alle Mörder!“ Die strafenden Blicke der Mutter sieht es gar nicht mehr vor lauter Verzweiflung und Wut.

Das kleine Mädchen, das war ich, vor geschätzten 30 Jahren. Das Gefühl der Ohnmacht hat sich derart eingebrannt, dass es heute noch weh tut. Rückblickend betrachtet war mein Verhältnis zum Thema Fleischkonsum aber ein sehr zwiespältiges und das ist es noch heute. Als Kind habe ich Wurst geliebt. Gleichzeitig haben ich und meine Geschwister unsere Mutter in den Wahnsinn getrieben, weil wir das Fleisch von Tieren, die wir kannten, nicht essen wollten. Musste ein Stier den Hof verlassen, war es jedes Mal eine Tragödie. Wurden aber Hühner geschlachtet, schauten wir interessiert, manchmal auch belustigt zu. Lag eine tote Sau im Trog, haben wir die Gunst der Stunde genutzt, um das reglose Wesen genau zu studieren. Bei den Schafen war es schon wieder schwieriger, mit den Hasen auch.

Mittlerweile weiß ich, dass all diese Tiere ihr Leben unter Umständen ließen, die für heutige Verhältnisse idyllisch waren. Die meisten starben am Hof, in einer Umgebung, die sie gewöhnt waren, durch Hände, die sie tagaus, tagein gefüttert und versorgt hatten. Das Vieh fuhr nur wenige Kilometer weit zum Fleischer im Ort. Im Vergleich dazu ist es unvorstellbar, was unsere „Nutztiere“ heute erdulden und erleiden müssen. Uns ist jeglicher Respekt ihrer Würde, ihrem Empfinden gegenüber abhanden gekommen. Hauptsache, es steht jeden Tag Fleisch auf dem Tisch. Und zwar so billig, dass es gar nicht mehr möglich ist, seinen Wert und seine Kostbarkeit überhaupt noch zu schätzen.

Während meiner Studentenzeit habe ich, aus genau diesen Gründen, fünf Jahre lang vegetarisch gelebt, hatte aber nach einer gewissen Zeit einen derartigen Heißhunger auf Frankfurter, Schnitzel und Leberkäs, dass ich mir irgendwann eingestehen musste, dass es nicht mehr geht. (Mit Schrecken denke ich gerade an die komplett genussfreie Beilagenplatte mit Spiegelei zurück, die ich damals, aus Mangel an Alternativen, immer im Gasthaus bestellen musste. Jedes einzelne Mal war ein Ma(h)l zuviel.) Eigentlich ganz klassisch und das, was wir Ernährungswissenschafter immer predigen: Nur ja keine Verbote, denn dadurch werden diese Dinge erst so richtig erstrebenswert und interessant. So war es (leider) auch bei mir.

Heute bin ich bei einer vegetarisch ausgerichteten Ernährung angelangt: Ich koche nur selten Fleisch (mit Wurst schon eher und wenn ich das rational betrachte, liegt der Grund wahrscheinlich darin, dass dieses Lebensmittel perfekt dazu geeignet ist, seine Geschichte zu verschleiern). Damit liege ich – offensichtlich – voll im Trend. Es macht mich nämlich zu einem Flexitarier. Ein Flexitarier ist ein Mensch, der kein Vegetarier ist, aber Veggie liebt (Ähnlichkeiten mit aktuellen Werbespots sind nicht zufällig, und ich wette, ihr habt jetzt alle eine bestimmte Frau im Kopf). Mittlerweile gibt es auch schon einige öffentliche Kampagnen, die zu einem bewussteren Fleischkonsum aufrufen. Neben tierethischen Aspekten geht es dabei auch um die Klima- und Umweltschutzdebatte:

              

      

Meine große Hoffnung ist, dass dies keine reine Lifestyle- und Zeitgeist-Erscheinung ist, sondern wir Menschen endlich beginnen, umzudenken. Um positiv zu bleiben: Ich habe das Gefühl, das Umdenken hat bereits begonnen. Einer der Auslöser war das Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer, das auch im deutschsprachigen Raum auf der Bestsellerliste stand (ich habe es nicht gelesen, obwohl ich wahrscheinlich sollte, aber ich kann einfach nicht). Die Kernaussage: Das Tierleid, das wir in der heutigen Zeit hervorrufen, hat Dimensionen angenommen, über die kein fühlender Mensch mehr hinwegsehen kann. Eigentlich müssten wir alle Veganer werden. Für eine solche Lebensweise bin ich aber (noch) nicht bereit. Wie viele andere auch. Außerdem ist da noch: diese verdammte Bequemlichkeit.

So. Es muss aber etwas geschehen. Kennt ihr den Film „Unterwegs nach Cold Mountain“ mit Nicole Kidman und Jude Law? Darin gibt es eine Szene, in der eine alte, allein im Wald lebende Frau ein kleines Zicklein schlachtet, um sich selbst zu versorgen. Sie nimmt das Tier, streichelt es, flüstert ihm ins Ohr, verabschiedet sich, bedankt sich bei ihm. Dann tötet sie es schnell und scheinbar schmerzlos.
Ich bin mir bewusst, dass diese Art von Schlachtromantik eine Wunschvorstellung ist, aber es ließe sich so vieles so viel besser machen. In Wahrheit müssen wir genau das tun, was ich als Kind verweigert habe: Tiere essen, die wir kennen. Von denen wir wissen, wie sie gelebt haben und wie sie gestorben sind. Wir müssen uns informieren und dann entscheiden und uns trauen, auch unsere eigenen Gefühle ins Spiel zu bringen. Und unseren Kindern den Respekt vor anderen Lebewesen beibringen, auch das ist wichtig.

Hiermit rufe ich eine neue Ernährungsform aus, die da heißt: Denkend genießen. Oder auch: Wissend genießen. (Mit)Fühlend genießen. Dieser Aufruf gilt auch (und vor allem) mir, denn immer noch bin ich viel zu oft viel zu bequem.

P.S.: Ich werde euch in den nächsten Tagen mit fleischlosen Rezepten füttern. Lasst es euch schmecken!
Samstag, 9. Juni 2012

Kroatisch-kulinarische Einsichten


Das Minimädel läuft vom Meer zurück, in der Hand eine Schaufel, in der Schaufel salzwassernasser Sand.

Die Schaufel unter meiner Nase, das Minimädel begeistert und furchtbar stolz.

Ich, ganz Mama, weiß natürlich um die Bedeutung der kindlichen Phantasie und rufe aus: „Oooh, was hast du mir denn da gebracht? Mmh, das sieht aber gut aus, was ist denn das, eine Suppe?“

„Nein, Sand“, klärt sie mich auf.

Ok, jetzt hab ich’s auch kapiert.
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