Donnerstag, 3. Mai 2012

YO


Da muss sich was ändern. Die Ernährungswissenschaft predigt, ermahnt und belehrt, passieren tut aber nichts. Naja, eigentlich passiert schon etwas: Die Menschen werden dicker, ernähren sich ungesünder, kochen seltener selbst.
Offensichtlich kommen die Botschaften nicht an. Es scheint, als wäre die Art von Ernährungskommunikation, wie ich sie noch auf der Uni gelernt habe und wie sie (leider) allzu häufig immer noch praktiziert wird, ein arg veraltetes Auslaufmodell. Eins, das genau gar nichts bringt.

Da wundert es mich des Öfteren, dass immer wieder neue, papierne Lebensmittelpyramiden aufgestapelt werden. Dass noch immer versucht wird, die Öffentlichkeit über Fette, Kohlenhydrate und Eiweiß aufzuklären. Dass noch immer wiederwiederwiederholt wird, mit steil erhobenem Zeigefinger: Schokolade ja, aber ein Stück sollte doch wohl wirklich reichen. Uijeminegerl, heute waren es aber keine fünf Portionen Obst und Gemüse, oder? Achtung! Vorsicht! Aufpassen! Da sind versteckte Fett drin!

Bitte jetzt nicht falsch verstehen: Im Grunde stimmt das ja alles. Aber es ist fad. Und keiner kann’s mehr hören. Dabei wäre es gar nicht so schwierig, Impulse zu setzen, die auch tatsächlich etwas bewirken können.
Jamie Oliver zum Beispiel. Er hat es geschafft, viele Menschen mit seiner Begeisterung für gutes, einfaches Essen anzustecken. Er geht selbstverständlich und gleichzeitig sensibel mit Lebensmitteln um und vermittelt, dass frisches Kochen nichts Kompliziertes ist, sondern ganz einfach Spaß machen kann.
Und da ist noch einer, von dem sich einiges abschauen ließe: Yotam Ottolenghi. Die Lobeshymnen auf den Londoner Popstar der Gemüseküche überschlagen sich, schon seit längerem: Seine Kochbücher seien knirschende Wundertüten, wie ein überbordender mediterraner Markt in der Hochsaison. Seine Küche ein üppiges Farbenmeer, ein Fest fürs Leben. Er habe die vegetarische Küche sexy gemacht, glamouröser als bei ihm sei Gemüse nie gewesen. Ottolenghi wolle Drama im Mund und uns dazu anregen, denkend zu genießen.

YO, sag ich da nur, so könnte es gehen. Beide Kochbücher („Genussvoll vegetarisch“ und „Das Kochbuch“) sind mittlerweile gekauft, beim Durchblättern schlägt auch mein Ernährungswissenschafter-Herz höher. Bleibt zu wünschen, dass solche Ideen und Zugänge (Genuss, Bauchgefühl, Hausverstand) viel öfter als bisher ihren Weg in die Köpfe der Experten finden.


Linsen mit gegrillter Aubergine
(aus: „Genussvoll vegetarisch“ von Yotam Ottolenghi, erschienen im Dorling Kindersley Verlag)

Ein wunderbares vegetarisches Gericht, das muss man schon sagen. Die Aubergine bekommt durch das Rösten im Ofen ein rauchiges Aroma, gemeinsam mit den warmen Linsen und der kühlen Crème fraîche echt ein Gedicht …

Zutaten für 4 Personen

2 mittelgroße Auberginen
Salz, Pfeffer
2 EL Rotweinessig
200 g kleine dunkle Linsen (Beluga-Linsen)
3 kleine Karotten, geschält
2 Stangen Sellerie
1 Lorbeerblatt
3 Thymianzweige
½ Zwiebel
3 EL Olivenöl
12 Cocktailtomaten
2 Prisen Rohrohrzucker
Je 1 - 2 EL gehackte Petersilie und Dill (im Rezept steht auch Koriandergrün, aber das mag ich ganz und gar nicht…)
2 EL Crème fraîche
Olivenöl zum Beträufeln

1. Auberginen grillen: Auberginen mehrmals mit einem scharfen Messer einstechen, auf ein mit Alufolie belegtes Backblech legen und unter gelegentlichem Umdrehen etwa 1 Stunde unter dem sehr heißen Backofengrill rösten. Die Auberginen sind fertig, wenn sie in sich zusammengesunken sind und die Haut verbrannt und teilweise aufgebrochen ist.

2. Während die Auberginen gegrillt werden, die Linsen sowie 1 Karotte und ½ Selleriestange (beides grob zerkleinert), Lorbeer, Thymian und Zwiebel in einen großen Topf geben, mit reichlich Wasser bedecken und aufkochen. 25 Minuten bei geringer Hitze köcheln lassen. Linsen in ein Sieb abgießen, Gemüse und Kräuter entfernen.

3. Linsen zurück in den warmen Topf geben, mit 1 ½ EL Essig, 2 EL Olivenöl, Salz und Pfeffer verrühren und Deckel drauf. So bleiben sie warm.

4. Die restlichen Karotten und Selleriestangen in 1 cm große Würfel schneiden und mit den Tomaten, dem übrigen Öl, Zucker und etwas Salz vermischen. In einer ofenfesten Form verteilen.

5. Die Auberginen aus dem Rohr nehmen, die Temperatur auf 140 °C einstellen und die Form mit dem Gemüse in den Ofen stellen. Etwa 20 Minuten rösten, bis die Karotten durch sind.

6. Die Auberginen der Länge nach aufschneiden, das Fruchtfleisch herausschaben (schwarz verbrannte Stellen meiden) und in ein Sieb geben. Mindestens 15 Minuten abtropfen lassen, dann mit Salz und Pfeffer sowie ½ EL Essig würzen.

7. Das gegarte Gemüse zu den warmen Linsen geben, die gehackten Kräuter untermischen und würzig abschmecken. Linsen auf Teller verteilen, jeweils in die Mitte etwas Aubergine geben und mit Crème fraîche krönen. Zum Abschluss mit etwas Olivenöl beträufeln.

Kommentare:

  1. Das Rezept sieht traumhaft aus! Ich habe seine Bücher ausch schon sehr oft in der Hand gehalten, aber dann doch noch nicht gekauft. Vielleicht sollte sich das ändern? Bin leider so Bilder - versessen bei Kochbüchern...

    Tja, und bei den Predigten zur gesunden Ernährung kann ich nur zustimmen LANGWEILIG!!! Frisch, mit Freude und ohne Zusatzstoffe - so lassen sich Kilos verlieren und Wohlbefinden gewinnen. Je nachdem was man so anstrebt :-)
    So schauts aus würde ich sagen ;-)

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  2. Tja, liebe Himbeerschoko, wie es ausschaut, hast du die Richtige-Ernährungs-Nuss bereits geknackt :-) Ottolenghi kaufen! Würde ich sagen ;-)

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