Dienstag, 27. März 2012

Mein blaues Wunder

Wenn sich die ersten Schneeglöckchen durch die Erde kämpfen und ihre Blütenköpflein die Sonne genießen, dann ist zwar meist der Winter vorbei, der Frühling aber noch nicht unbedingt da. Der beginnt für mich erst an jenem Tag, an dem der zarte und süße Duft der Veilchen meine Nase streift und die Dirndl-Sträucher beginnen, in leuchtendem Gelb zu erstrahlen. Lieber Lenz, wie hab ich dich vermisst …


Dirndl, so heißt die Kornelkirsche im Volksmund und hach, allein dieser Name … Bevor ich sie allerdings in meinen Händen halten darf, klein und glatt und dunkelrot, vergeht noch gut ein halbes Jahr. Bis dahin gibt es in der Wildpflanzenküche viel zu tun. Seit ich letztes Jahr die Ausbildung zur Kräuterpädagogin am LFI abgeschlossen habe, bin ich ganz begeistert vom Potential, das in unseren „grünen Freunden“ schlummert.


Mein Wildpflanzenjahr hat vorgestern mit dem Veilchen begonnen. Ich habe daraus Veilchenzucker gemacht, der zum Verfeinern von Desserts, Kuchen und Mehlspeisen verwendet werden kann. Er ist ganz schnell hergestellt: Die Blütenblätter habe ich über Nacht auf Papier getrocknet, am nächsten Tag im Verhältnis 1:1 mit Zucker vermischt und in meiner elektrischen Kaffeemühle pulverisiert (ich habe mir für meine Wildkräuterexperimente eine eigene Mühle angeschafft). Das Ergebnis war dann allerdings ein wenig enttäuschend: Ich hatte mich auf einen bezaubernden Zucker mit blauem oder lila Farbschimmer gefreut, heraus kam ein fast gänzlich weiß gebliebenes Puder, durchzogen von kaum sichtbaren blauen Pünktchen.


Mmmh, naja, zumindest der Geschmack, der war sehr fein. Der Zucker kam zusammen mit einigen frischen Veilchenblüten in ein Glas, wurde verschlossen und ins Kastl gestellt.
Heute habe ich Kuchen gebacken und wollte ihn mit dem Veilchenzucker bestäuben. Ich nahm das Glas in meine Hände – und erlebte ein sprichwörtliches blaues Wunder: Der Zucker hatte sich über Nacht hellviolett verfärbt! Lag es an den zusätzlichen frischen Blüten oder braucht die süße Freude einfach seine Zeit? Egal …


Der farbliche Unterschied ist leider auf den Bildern nicht gut zu erkennen, aber er war doch ganz erstaunlich.

Hier noch einmal alles Wichtige zur Zubereitung von Blütenzucker:

* Zucker kann man mit vielen verschiedenen Blüten veredeln, es eignen sich Rose und Wildrose, Veilchen, Holunderblüten, Lindenblüten, Mädesüß, Labkraut, etc.
* Wichtig ist, nur die Blütenblätter zu verwenden, also alles Grüne zu entfernen. Das ist zwar mühsam, aber es lohnt sich auf jeden Fall!
* Das Mengenverhältnis zwischen Blüten und Zucker lässt sich variieren und hängt vom persönlichen Geschmack, aber auch von der Farb- und Geschmacksintensität der verwendeten Blüten ab.

Zur Herstellung von Blütenzucker gibt es dann zwei Wege:

Entweder:
1) Blütenblätter auf Papier trocknen lassen
2) Mit Zucker fein vermahlen – geht am besten in einer elektrischen Kaffeemühle

Oder:
1) Frische Blütenblätter und Zucker vermischen und in der Kaffeemühle oder mit dem Stabmixer sehr fein zerkleinern. Es entsteht eine leicht gefärbte, feuchte Zuckermasse.
2) Diese im Backrohr bei 50 °C und leicht geöffneter Ofentür etwa 1 – 2 Stunden trocknen lassen.
3) Dann bei Bedarf noch zerkleinern oder vermahlen.

Viel Spaß und Verblüffung mit eurem blauen Wunder!


Kommentare:

  1. Geht sicher auch mit Salz, oder? Gäbe eine interessante Note in Salaten oder was weiß ich alles...

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    1. Sabine, das ist eine echt interessante Idee ...

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  2. Es geht auch mit Salz! Ich hab Rosenzucker und Rosensalz gemacht, beides nach der 2. Methode, also frisch vermahlen mit Kristallzucker bzw. grobem Meersalz und dann im Rohr getrocknet. Ich hatte dunkelrote Rosen und die Ergebnisse wurden zyklamenlila!

    Ich freu mich, was sich da für Möglichkeiten auftun je nach Ausgangsprodukt!!
    lg, Friederike

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  3. Ok, jetzt muss ichs aber selber auch mal mit Salz probieren... Hast du spezielle Rosen verwendet, Friederike?

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    1. Ich hab einen mehrere Jahrzehnte alten Rosenstock im Garten, der ganz dunkelrote, dicke samtige und duftende Blüten hat, Sorte unbekannt. Der Zucker und auch das Salz wurden wie gesagt zyklamenfarbig, ich war sehr überrascht von der Farbe. Der Duft hat sich leider verflüchtigt, anders als beim Rosengelee, dort ist er konserviert(Rezeptquelle: dieküchenschabe). lg, Friederike

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