Donnerstag, 22. März 2012

Maria und die Schokoladenfabrik

Ich war im Himmel. Im Schokoladenhimmel. Josef Zotter, der Willy Wonka der Steiermark, hat in seiner Heimatgemeinde Riegersburg ein Paradies für Süßschnäbel errichtet, das staunen macht und glückselig.


Staunen: Im Kakaokino – hier beginnt das SchokoladenTheater – begleiten wir den Hausherrn auf eine kurzweilige Reise nach Südamerika, zu „seinen“ Bauern. Auf Kakaosäcken sitzend, naturgemäß. Josef Zotter kauft den Kakao direkt bei den Bauern zu fairen Preisen ein und macht seine Schokolade von der Bohne weg selbst. „Bean to bar“ nennt er dieses Konzept.
Mit einer ersten Ahnung von Zotters Schoko-Leidenschaft und einem persönlichen Kusslöffel ausgestattet, treten wir dann unsere Verkostungsexpedition an. Und kommen aus dem Naschen, Augen-Verdrehen und Mmmhhh-Summen nicht mehr heraus. Von den verschiedenen Rohkakaosorten über die Zwischenprodukte der Schokoladenproduktion wie Kakaonibs oder Walzenpulver bis hin zu allenallenallen Zotter-Produkten, die es überhaupt gibt: Wir dürfen probieren bis zum Geht-nicht-mehr.

Glückselig: Hier taucht der Löffel in den Schokobrunnen, dort werden Trinkschokis gemixt, da rollen süße Kugeln mit himmlischen Geschmäckern in Mini-Kupferkesseln. Die Running Chocolates zum Schluss des Rundgangs sind viele weitere kleine Sünden wert, obwohl fast nicht mehr zu packen, aber nein: die eine Sorte muss noch sein. Ich glaube, bei all dem Serotonin, das sich während dieser zwei Stunden in meinem Körper gebildet hat, werde ich für die nächsten zwei Monate glücklich sein, mindestens.

Mit seinen wundersamen und kreativen Inszenierungen theatert sich Josef Zotter sprichwörtlich in die Schokolade hinein. Und erreicht damit, dass wir uns wieder einmal etwas näher mit unseren Sinnen auseinandersetzen. Wie beispielsweise in der SchokoladenTankstelle – hier konnte ich pure Schokolade verkosten und vergleichen – von der Milchschokolade bis zur „Grenzüberschreitung“ mit 100 % Kakaoanteil, alles jeweils in fester oder flüssiger Form. Welch sinnliche Erfahrung: Mit dem Anstieg des Kakaoanteils wird der Geschmack immer komplexer, die Aromen verdichten sich, die Schokolade liegt schwerer auf der Zunge. Die Süße wird durch Bitternoten verdrängt, mehr Säure kommt ins Spiel, aber gleichzeitig auch mehr Fruchtaromen.

Schokoladen verkosten und darüber plaudern kann man im Übrigen auch gut zu Hause. Dafür braucht man ein paar Freunde (die interessierten), gute Schokolade in mehreren Sorten (nicht zu viele) und als Basis den Naschtipp von Zotter:

Als Feinschmecker sollten Sie Schokolade nicht kauen, sondern schmelzend genießen. Lassen Sie ein Stück Schokolade kurz auf Ihrer Zunge ruhen, um sie anschließend an Ihren Gaumen zu kleben. Mit der Zunge kitzeln Sie nun die Schokolade, sodass sie ganz langsam schmilzt. Gute Schokolade hat einen langen Atem. Das heißt, Sie spüren die Aromen noch, nachdem Sie die Schokolade genossen haben.

Wer es hingegen professionell angehen möchte, dem sei das wunderschöne Buch „Der Geschmack von Schokolade“ von Stéphan Lagorce, erschienen im Christian Verlag, empfohlen. Hier findet sich eine ausführliche Anleitung zur fachmännischen Schokoladen-Degustation.

Mit dem Geschmack spielen, Ungewöhnliches verbinden, Tabus brechen - das ist mittlerweile Zotters Markenzeichen. Schweinegrammeln in der Schokolade versenken? Kein Problem. Bergkäse in die Füllung mischen? Funktioniert. Freilich nicht ohne Grund. Denn Josef Zotter hat ein feines Gespür, was Geschmackskombinationen betrifft. Grammeln schmecken nussig, Bergkäse auch. Und weil Nuss und Schoko an und für sich ein prima Duo sind, war in der Folge auch der Weg zur Grammel- und Käseschokolade nicht mehr weit.
Und was, wenn die süßen Rechtecke Namen tragen wie „Kornelkirsche und Blut“ oder „Rosa Kokos und FischGummi“? Dann nur Mut. Zotter hat noch immer geschmeckt.

Den SchokoLaden habe ich übrigens mit einem eher großen und auch gut gefüllten Papiersackerl verlassen, der genaue Rechnungsbetrag wird jedoch nicht verraten. Nur soviel: Österreichs erste Schokolade mit Jugendverbot bis 18, die musste mit.


Kommentare:

  1. "Er theatert sich in die Schokolade hinein" - was für ein schöner Satz...

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    1. Sabine und Erwin, ich freue mich, dass der erste Kommentar zu meinen Beiträgen ausgerechnet aus eurer Feder (bzw. Tastatur) stammt - das weiß ich echt zu schätzen :-)

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